Die gespaltene Realität
Strukturelle Divergenzen im Staatsverständnis
Veranstaltungsbeschreibung:
Warum sich systemrelevantes Engagement nicht einfach kopieren lässt – und was kulturelle Codes damit zu tun haben.
Was bedeutet eigentlich „Staat“ – und welche Rolle schreiben sich Bürger:innen darin selbst zu? In Deutschland existieren unterschiedliche Antworten auf diese Frage. In der Praxis zeigt sich das besonders deutlich: Menschen mit Einwanderungsgeschichte sind im Gesundheitswesen längst tragende Säulen – in der klassischen Gefahrenabwehr oder im kommunalen Ehrenamt jedoch auffällig unterrepräsentiert.
Engin Karahan geht diesem Paradox auf den Grund. Sein Befund: Es liegt nicht an mangelnder Bereitschaft, sondern oft an einem strukturell anders geprägten Staats- und Bürgerverständnis. Wer aus Kontexten stammt, in denen Gefahrenabwehr ausschließlich Aufgabe des Staates ist, wird sich nicht selbstverständlich bei der Freiwilligen Feuerwehr melden – selbst wenn die Ressourcen und die Motivation da wären.
Das Format bietet:
- eine soziologische Einordnung kultureller Prägungen im Verhältnis zu Staat und Engagement,
- eine Analyse impliziter Ausschlussmechanismen in öffentlichen Strukturen,
- praxisorientierte Impulse für eine differenzierte Öffnungsstrategie – jenseits gut gemeinter Symbolik.
Die Reihe mit Engin Karahan:
Dieses Format ist Teil einer dreiteiligen Reihe mit Engin Karahan zu institutioneller Transformation und postmigrantischer Realität. Jeder Teil kann unabhängig besucht werden – gemeinsam eröffnen sie jedoch eine vertiefte Perspektive auf systemischen Wandel in Zeiten von Diversitätsdruck, Staatsentfremdung und zivilgesellschaftlichem Umbruch.
🔹 Teil 1 (20. Mai 2026) : Funktionserhalt statt Diversitäts-Lyrik – Die materielle Basis der Institutionen
Diversität wird häufig moralisch diskutiert – dieser Auftakt rückt sie als funktionale Notwendigkeit in den Mittelpunkt. Der Fokus liegt auf der Frage, warum Institutionen ohne strukturelle Öffnung langfristig ihre Handlungsfähigkeit verlieren.
🔹 Teil 2 (9. Juli 2026): Die gespaltene Realität – Strukturelle Divergenzen im Staatsverständnis
Warum bleiben Menschen mit Einwanderungsgeschichte in Verwaltung und Ehrenamt unterrepräsentiert, obwohl sie systemtragend sind? Eine Analyse kultureller Codes, Staatsbilder und unsichtbarer Barrieren.
🔹 Teil 3 (23. September 2026): Jenseits der Verbände – Neue Akteure, alte Blockaden und der Brain Drain der Zivilgesellschaft
Im Fokus stehen neue, professionelle Akteure jenseits etablierter Verbandsstrukturen – und die Frage, wie Politik und Verwaltung diese Potenziale nutzen können, statt sie zu verlieren.
Die Reihe versteht sich als fachlicher Diskursbeitrag und lädt zur kritischen Reflexion bestehender Strukturen ein.
Über den Referenten:
Engin Karahan ist Geschäftsführer der EP Ethos & Polis UG und Experte für die Professionalisierung von Organisationen sowie für die Analyse komplexer gesellschaftlicher Dynamiken.
Mit über zwei Jahrzehnten Erfahrung in der Verbandsarbeit unterstützt er Institutionen dabei, die Lücke zwischen zivilgesellschaftlichem Engagement und den fachlichen Anforderungen moderner Trägerschaft zu schließen.
Sein Fokus liegt auf der Transformation von Vereinen hin zu systemrelevanten Institutionen – insbesondere im Bereich der Jugendhilfe und der Gründungsberatung für Regelstrukturen in der Wohlfahrt.
Er ist Mitgründer der Alhambra Gesellschaft und publiziert regelmäßig zu Fragen der gesellschaftlichen Integration und des institutionellen Wandels.
Bezug zum Projekt DEMOS:
Wenn Diversität in Institutionen fehlschlägt, entsteht Raum für Entfremdung – ein Nährboden für populistische Erzählungen und verschwörungsideologische Mythen über einen „Staat gegen uns“. Dieses Format zeigt auf, wie strukturelle Ausschlüsse und Missverständnisse im Staatsverständnis Spannungen verschärfen können – gerade in Krisenzeiten. Genau hier setzt das Projekt DEMOS an: Es will demokratische Resilienz stärken, Vertrauen fördern und neue Zugänge schaffen – durch Reflexion, Analyse und Perspektivwechsel.
Teilnehmen
Die Fachveranstaltungsreihe unter dem Dach des Innovationsprojekts Demos – Demokratie, Empathie, Mitgestaltung, Offenheit und Solidarität, gefördert im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“, widmet sich der Extremismusprävention und Demokratieförderung.
Im Fokus stehen demokratiefeindliche Phänomene – insbesondere Verschwörungsdenken und extremistische Narrative. Ziel ist es, diese sichtbar zu machen, interdisziplinäre Perspektiven zu vereinen und Lösungsansätze zur Prävention und Resilienz zu entwickeln.
Die Fachstelle Extremismusdistanzierung (FEX) organisiert diese Veranstaltungsreihe, um Fachkräfte und interessierte Bürger:innen zu sensibilisieren und Handlungswissen quer durch verschiedene Professionen zu erweitern.
Die Fachveranstaltungsreihe ist Teil des Projekts Demos, das verschiedene Formate und Initiativen bündelt, die sich für die Stärkung demokratischer Werte, den Umgang mit demokratiefeindlichen Tendenzen und die Förderung gesellschaftlicher Offenheit einsetzen.
📌 Vorbehaltlich der Förderung durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“.